Brauchen wir einen Zeitenwandel im Streaming-Biz?
Gedanken zur aktuellen Situation von Selbstvermarktern.

Es ist noch gar nicht solange her, dass Musiker und Artverwandte ihre Werke ausschließlich durch den Verkauf von Tonträgern unter die Leute brachten. Die meisten Berufs-Künstler waren bei einem Label unter Vertrag welches sich um sämtliche profanen Belange kümmerte, sodass sich Künstler ausschließlich auf die kreative Seite konzentrieren konnten. Für die Branche waren das die goldenen Zeiten. Heute, in Zeiten der Selbstvermarktung, sind wir weiter davon entfernt denn je.
Tonträger werden vom Großteil der Artists nur noch bei Livekonzerten verkauft.
Da aber „coronabedingt“ diese Vertriebsschiene nahezu weggebrochen ist, bleibt theoretisch nur noch der Weg über kostenpflichtige Downloads im Netz. Aber auch hier tritt schnell Ernüchterung ein, da nach wie vor hartnäckig eine „Just for Free“ oder „Flatrate-Mentalität“ vorherrscht.
Was bleibt ist letztlich der Weg über etablierte Streaming-Dienste um zumindest etwas Schadensbegrenzung zu betreiben. Eine Hoffnung die aber für die meisten Selbstvermarkter nicht in Erfüllung geht. Künstler mit kleiner Fanbase müssten sich mindestens 24 Stunden pro Tag um den Aus-und Aufbau ihrer Fan-Community kümmern um überhaupt ein paar Euro zu generieren. Viele, die es schon versucht haben, wissen wovon ich rede. Natürlich gibt es auch hier mittlerweile Agenturen die bestimmte Promo-Aufgaben übernehmen aber auch die kosten erst mal nur Geld. Ausnahmen, die Hoffnung schüren, gibt es natürlich auch, doch diese Ausnahmen kann man gemessen an der Gesamtzahl der registrierten Künstler bei Streamingdiensten nicht mal in Promille-Größen darstellen. Lottospielen wäre hier rentabler. Aber auch für die Portalbetreiber ist ihr „klickorientiertes“ Abrechnungsmodell alles andere als rentabel. Spotify verliert beispielsweise jährlich Millionen-Beträge durch falsche Klicks bzw. Titelaufrufe durch sogenannte Bots.
Natürlich hat das aktuelle System auch gewisse Vorteile. Es war z.B. noch nie einfacher mit seinen Werken öffentlich in Erscheinung zu treten und das meist ohne großen Kapitalaufwand. Da aber niemand ein Exklusivrecht auf diese Form der Veröffentlichung hat, gehen die meisten Artists in der Flut der Angebote unbeachtet unter. Letztlich haben wir dadurch ein System geschaffen, das nur noch mit unseren Eitelkeiten spielt.
In Anbetracht dieser allseits unbefriedigenden Situation wäre es eigentlich an der Zeit neue Wege zu gehen. Die nötigen Impulse müssen allerdings von den Kreativen selbst kommen. So lange wir wie die Lemminge immer nur dem Mainstream hinterherlaufen, in der Hoffnung auf einen Glückstreffer, wird sich nichts ändern. Wir müssen weg von rein egomanen Denkstrukturen und wieder etwas mehr Solidarität an den Tag legen. Streaming-Plattformen könnten, im weitesten Sinne, auch genossenschaftlich organisiert werden. Dies hätte den Vorteil, dass alle registrierten und aktiven Künstler Miteigentümer ihrer Plattform wären und von den Umsätzen bzw. Gewinnen profitieren würden, unabhängig von Klickzahlen oder Aufrufen ihrer Werke.
Wie Anfangs schon erwähnt, sind dies nur ein paar Gedanken, ein Versuch sich einem komplexen Thema zu nähern. Weitere Anregungen dazu sind immer willkommen.

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